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1700 Jahre jüdisches Leben am Beispiel des deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzgebiets an der Mosel – 1. Vortrag im Rahmen unserer kleinen Reihe „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“

1700 Jahre jüdisches Leben am Beispiel des deutsch-französisch-luxemburgischen Grenzgebiets an der Mosel – 1. Vortrag im Rahmen unserer kleinen Reihe „1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland“
Veröffentlicht von Martin martin.rogalla@ekir.de am Do., 23. Sep. 2021 19:51 Uhr
Citykirche

Wann:      Montag, der 25. Oktober 2021, 19.30 Uhr 

Wo:         Vaßbendersaal Remscheid (Ambrosius-Vaßbenderplatz 1, 42853 Remscheid)

Wer:       René Richtscheid M.A. (Referent) 

Veranstalter:  
Ein Vortrag der Citykirche Remscheid in Kooperation mit der Synodalbeauftragten für den Jüdisch-Christlichen Dialog, Frau Dr. Barbara Baenkler-Falkenhagen

Corona:
Es gelten die 3-G-Regeln. Bitte weisen Sie bei Eintritt in den Vaßbendersaal nach, dass Sie geimpft, genesen oder amtlich getestet sind. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig.

Inhalt:            
Der Erstbeleg jüdischen Lebens im heutigen Deutschland aus dem Jahr 321 bezieht sich auf Köln. Aber auch in der römischen Provinzhauptstadt Trier dürften damals schon Juden gelebt haben, wofür es archäologische Zeugnisse gibt. In der Zeit der Völkerwanderung zogen sich offenbar Juden in den mediterranen Raum zurück, die sich nur ganz allmählich entlang der großen Flussläufe (Rhône, Saône und Mosel) wieder gen Norden ausbreiteten. Die im Jahr 888 belegten Juden von Metz waren wohl die ersten im damaligen Regnum Theutonicum – die Mosellande spielten also wieder eine Vorreiterrolle. Im Vorfeld des Ersten Kreuzzugs wurden die Metzer Juden hart von einem Pogrom getroffen. Etwa ein Vierteljahrtausend lang wuchs die Zahl der Gemeindemitglieder wieder an Verstärkt wurde diese Entwicklung durch die Zuwanderung von Juden aus dem französischen Königreich Damals lebten in dem Trierer jüdischen Viertel über 300 Juden. In den neu entstehenden Städten wurden jüdische Familien angesiedelt. Dieser erste Höhepunkt jüdischen Lebens endete allerdings jäh mit dem Schwarzen Tod, der spätmittelalterlichen Pest ab 1348. Aus wirtschaftlichen und anderen Gründen initiierten interessierte Kreise des Bürgertums und des Niederadels Pogrome. In der Frühen Neuzeit existierte in Metz die größte jüdische Gemeinde in der Großregion – mit eigenem Rabbinat und eigener Talmudhochschule (Jeschivah), die begabte Schüler aus der ganzen Region besuchten.

Erst nach dem Ende des 30-jährigen Krieges ist wieder eine Neuansiedlung von Juden in kurtrierischen Orten nachweisbar. Die Französische Revolution brachte allmählich einen Prozess der rechtlichen Gleichstellung und ein Anwachsen der Gemeinde im 19. Jh. aufgrund des Zuzugs aus östlich gelegenen Gebieten in Gang. Spätestens 1933 begann dann mit der totalen Ausgrenzung, wirtschaftlichen Ausplünderung, Vertreibung, Deportation und Ermordung der Juden das Ende ihrer Jahrhunderte währenden Präsenz in den Dörfern und Kleinstädten an der Mosel. Voll ausgebildete Gemeinden gibt es derzeit nur noch in den Großstädten Koblenz, Trier, Luxemburg, Esch-sur-Alzette, Thionville und Metz – letzteres mit eigenem Rabbinat.